Sieben Fragen – zwei Stimmen
Wir haben uns dieselben sieben Fragen gestellt, um zu zeigen, was uns beim Philosophieren mit Kindern wichtig ist.
Was bedeutet Philosophieren mit Kindern für dich persönlich?
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Was bedeutet Philosophieren mit Kindern für dich persönlich?
Ayfer
In einem unserer Kreise bleibt nach dem Gespräch ein Satz im Raum hängen. „Warum ist das unfair?“, fragt ein Kind. Niemand hebt die Hand. Niemand sucht sofort die richtige Antwort.
İlknur
Für mich bedeutet Philosophieren mit Kindern, ihnen wirklich zuzuhören und neugierig auf ihre Gedanken zu sein. Ich finde es schön, gemeinsam Fragen nachzugehen, ohne schon vorher wissen zu müssen, wohin das Gespräch führt.
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Welche Erfahrungen haben dich geprägt?
Ayfer
In einem unserer Kreise sagt ein Mädchen, Tränen in den Augen: „Wenn zwei Sprachen in mir sind – welche bin ich dann? In der Schule dürfen wir nicht in unserer Sprache miteinander sprechen.“
Ich vergesse das nicht.
Nicht jedes Kind sagt es so deutlich. Aber es steckt oft in der Frage selbst.
İlknur
Meine Ausbildung im Philosophieren mit Kindern und vor allem die vielen Gespräche mit Kindern haben meine Sicht auf Kinder verändert. Ich habe dabei immer wieder erlebt, dass Kinder ganz eigene Gedanken und Ideen haben, mit denen ich selbst manchmal gar nicht gerechnet habe. Das hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, ihnen Raum dafür zu geben.
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Warum sind Kinderfragen wichtig?
Ayfer
Eine Frage wie „Warum gibt es Regeln?“ klingt klein. Ist sie nicht. Kinder haben oft schon zu Ende gedacht, bevor wir überhaupt zuhören.
Deshalb ist die Form des Gesprächs wichtig.
İlknur
Kinder stellen oft Fragen, die uns Erwachsene kurz innehalten lassen. Manchmal kommt von einem Kind eine ganz einfache Frage und plötzlich merken wir, dass dahinter ein großes Thema steckt. Genau diese Neugier möchte ich bewahren und nicht zu schnell mit einer Antwort beenden.
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Was unterscheidet philosophische Gespräche von anderen Angeboten?
Ayfer
Kein Ziel. Keine Note. Kein Richtig. Nur ein Kreis von Menschen, die noch nicht wissen, wo sie ankommen.
Das braucht Raum. Und Zeit.
İlknur
Beim Philosophieren geht es nicht darum, etwas richtig zu lösen oder am Ende eine gemeinsame Antwort zu finden. Die Kinder bringen ihre eigenen Gedanken mit, hören einander zu und können ihre Meinung auch verändern. Für mich ist dieses gemeinsame Nachdenken das Besondere.
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Was wünschst du dir für Kinder in Bildungsräumen?
Ayfer
Dass „ich weiß es nicht“ reicht. Als Antwort. Als Satz. Nicht als Anfang von etwas, das korrigiert werden muss.
Mir selbst gelingt das nicht immer.
İlknur
Ich wünsche mir Räume, in denen Kinder nicht das Gefühl haben, immer etwas richtig machen zu müssen. Sie sollen Fragen stellen, zweifeln, ihre Meinung sagen und auch einmal sagen dürfen: „Ich weiß es nicht.“ Ich glaube, genau solche Räume geben Kindern Vertrauen in ihr eigenes Denken.
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Wie reagierst du auf Fragen, die du nicht beantworten kannst?
Ayfer
Ich sage es. Einfach so. Manche Fragen nehme ich mit nach Hause. Sie bleiben liegen. Tagelang. Manchmal länger.
Was ich mir für Kinder wünsche, wünschte ich mir manchmal auch für mich – als Kind.
İlknur
Dann sage ich ganz ehrlich: „Das weiß ich auch nicht.“ Oft frage ich das Kind dann, was es selbst darüber denkt. Und manchmal entwickelt sich daraus ein Gespräch, bei dem am Ende nicht nur das Kind, sondern auch ich etwas Neues entdecke.
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Wie wäre es für dich als Kind gewesen, solche Gespräche zu erleben?
Ayfer
Ich dachte, es gäbe die eine Antwort. Ich musste sie nur finden. Zu wissen, dass Fragen offen bleiben dürfen – das hätte vieles leichter gemacht.
İlknur
Ich glaube, ich hätte solche Gespräche sehr gerne erlebt. Einen Raum zu haben, in dem meine Fragen ernst genommen werden und ich frei sagen darf, was ich denke, hätte mir als Kind sehr gutgetan. Vielleicht ist genau das auch ein Grund, warum ich Kindern heute gerne einen solchen Raum geben möchte.
Neue Reihe ab 17. Oktober 2026
